Geld statt Verkehr bündeln

 

Die Bürgerinitiative Pro Kluftern  begrüßt den neuen Realismus in der aktuellen Straßenbaudebatte, der dank des Grünen Landtagsabgeordneten Martin Hahn  eingezogen ist.

 

Selten zuvor hat ein Landes- und Kommunalpolitiker  in Sachen Straßenneubau so ehrlich den Blick auf das finanziell Mögliche, weg von den verführerischen Wunschvorstellungen und den notorischen Versprechungen gelenkt. Weil die Finanztöpfe, sowohl für den Bundesstraßenbau als auch für den Land- und Kreisstraßenbau um ein vielfaches überzeichnet sind gehen die Realisierungs- chancen für die Ortsumfahrungen Neufrach,  Bermatingen, Markdorf und Kluftern gegen Null.

 

Völlig unverständlich ist dabei  aber die gegenwärtige Schuldzuweisung. Nicht Martin Hahn hat mit überdimensionierten Straßenneubaumaßnahmen im Bodenseekreis die hier erforderlichen Finanztöpfe zum Überquellen gebracht, sondern die Straßenbaulobbyisten. Mit ihrem gigantisch überzogenem Konzept, dem Bündelungskonzept  7.5, haben sie durch die Kombination von Ortsumfahrungen im Hinterland und B31neu eine gewaltige finanzielle Konkurrenzsituation geschaffen. Auch die  Kreisstraßen sollen über das  heutige Entflechtungsgesetz (vormals GVFG) größtenteils aus Bundesverkehrsmitteln finanziert werden, die jetzt, wie im Falle der Westumfahrung Friedrichshafen,  für einen Bundesstraßenneubau fehlen. Noch verheerender wirkt sich diese Konkurrenzsituation auf den Landschafts- und Flächenverbrauch aus. Wer eine so einmalige Kultur- und Erholungslandschaft wie die am Bodensee, gleich mit 6 neuen Fahrbahnen zusätzlich zur bestehenden B31 (Südumfahrung Markdorf - zweibahnig, B31neu am See - vierbahnig) durchschneiden will, schafft nicht nur Entlastungen, sondern provoziert geradezu neue Konflikte. Noch katastrophaler fällt eine  Kosten- Nutzenbilanz bei der  geplanten  Ortsumfahrung Kluftern K7743neu aus. Dabei könnte man mit einem Anschluss der vorhandenen  Kreisstraße K7742 an die B31neu Kluftern mit viel weniger Geld und ohne enorme Neubelastungen wirkungsvoll entlasten.

 

Um in Zukunft die knappen finanziellen Mittel gezielt für sinnvollen Straßenneubau  zu bündeln, unterstütz Pro Kluftern e.V. die aktuelle Forderung von Martin Hahn,  die B31neu zwischen Immenstaad und Überlingen nach dem Prinzip „Ausbau vor Neubau“ mit einer Tunnellösung für Hagnau schnellstmöglich weiter zu planen. Ebenso befürwortet Pro Kluftern e.V.  die B31neu vorerst nur zweibahnig ohne den Spaltensteiner Knoten  zu bauen. Wer weiterhin das Prinzip „alles oder nichts“ predigt und nicht erkennt, dass nicht der Verkehr, sondern vor allem das Geld gebündelt werden muss, bekommt Stillstand in der regionalen Verkehrsentwicklung  für Jahrzehnte.